Unternehmensfinanzierung 2010 – Quo Vadis? PDF Drucken E-Mail

 

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    Unternehmensfinanzierung 2010 – Quo Vadis?

    -       Entscheidungshilfen für mittelständische Unternehmen -

    von Christoph Rasche

     

    Seit dem Beginn der Finanzkrise vor 14 Monaten beherrscht Unsicherheit die Gedanken mittel-ständischer Unternehmer: „Wann geht es wieder aufwärts und wie stelle ich bis dahin die Finanzierung meines Unternehmens sicher?“ Dies ist aktuell eine der am meisten gestellten Fragen. Eine eindeutige Antwort kann auch im Herbst 2009 niemand mit 100%-iger Sicherheit geben.

  • „Die Talsohle ist erreicht!“

    „2010 kommt der Aufschwung!“

    „Die Krise dauert noch ungewisse Zeit an!“

    „Die Unternehmensfinanzierung wird von einer Kreditklemme bedroht!“

     

    Richtig und problematisch ist, dass es Argumente für jede dieser Einschätzungen gibt, die derzeit über die Medien verbreitet werden. Sicher ist lediglich, dass wir eine Krise diesen Ausmaßes noch nicht erlebt haben und auch deshalb fundierte Zukunftsprognosen nahezu unmöglich sind. Und sicher ist damit auch: „Die Unsicherheit bleibt!“

     

    Trotz oder gerade wegen dieser Unsicherheit sollten alle mittelständischen Unternehmen und Unternehmer jetzt - und nicht erst in 2010 - damit beginnen, ihre Unternehmensfinanzierung zukunftsfest zu machen. Die nachfolgenden Argumente zeigen, warum:

     

    Die Spielregeln für die Kreditvergabe haben sich durch Basel II und Rating verschärft. Da das Banken-Rating prozyklisch wirkt, werden sich die Finanzierungsbedingungen erheblich erschweren, wenn schwache Jahresabschlusszahlen 2009 mit sinkenden Erträge oder Verlusten und einer abnehmende Eigenkapitalquote die Rating-Note „2010“ verschlechtern. Jeder Unternehmer ist daher gut beraten, schon jetzt nicht nur den kurzfristigen Liquiditätsbedarf, sondern auch den mittel- und langfristigen Investitions- und Kapitalbedarf zu ermitteln und Finanzierungsanträge schnellstmöglich zu stellen.

     

    Das Kreditangebot wird sich aus mehreren Gründen zukünftig verknappen:

    -       Die bereits dürftige Eigenkapitalbasis insbesondere vieler Geschäftsbanken wird sich durch zusätzlichen Abschreibungsbedarf auf sog. toxische Wertpapiere weiter verringern.

    -       Die zunehmende Anzahl von Unternehmensinsolvenzen wird schon zur Jahreswende den Wertberichtigungsbedarf in Jahresabschlüssen der Banken und Sparkassen spürbar erhöhen.

    -       Ein Verkauf von Krediten z.B. über eine Kreditverbriefung und Platzierung am Kapitalmarkt ist temporär unmöglich.

    -       Auslandsbanken ziehen sich verstärkt aus dem deutschen Markt zurück.

    Ob hierdurch tatsächlich das Gespenst der „Kreditklemme“, das heißt die generelle und flächendeckende Unterversorgung der Unternehmen mit Krediten, geweckt wird, ist zwar unwahrscheinlich. Sehr wahrscheinlich ist dagegen, dass diese Fakten die Kreditvergabespielräume der Banken und Sparkassen limitieren werden. Gerade für bonitätsschwache Unternehmen wird dann die Wahrscheinlichkeit größer, dass die Kreditbeschaffung mit mehr Sicherheiten, höheren Kreditzinsen, kürzeren Laufzeiten und sog. Covenants verbunden sein wird. Für Unternehmen, die jetzt nicht reagieren, steigt sogar die Gefahr, von zunehmend weniger risikofreudigen Bankern die „rote Karte“ gezeigt zu bekommen.

     

    Kreditversicherer reduzieren Kreditlimits oder streichen dies ganz – Tendenz zunehmend. Hierdurch wird für viele Unternehmen mit schwächeren Unternehmenszahlen die Nutzung von Lieferantenkrediten eingeschränkt. Die entstehende Finanzierungslücke muss durch andere Formen der Außenfinanzierung geschlossen werden.

     

    Förderkredite, z.B. aus dem KfW-Sonderprogramm 2009 sind derzeit noch mit überschaubaren Antrags- und Bearbeitungszeiträumen verfügbar, da der von vielen Experten erwartete „Run“ auf die Fördermittel noch nicht eingesetzt hat. Viele mittelständische Unternehmen lassen sich wohl noch immer vom Aufwand für die Beantragung der Mittel über ihre Hausbank abschrecken. Andere haben offensichtlich ihren kurz-, mittel- und langfristigen Finanzierungsbedarf noch gar nicht ermittelt und nehmen so grob fahrlässig die Gefahr einer Zahlungsunfähigkeit ihres Unternehmens in Kauf. In beiden Fällen lohnt es sich regelmäßig externe Beratungsexperten ins Boot zu holen.

     

    Ab dem 01.Dezember 2009 tritt bei der KfW ein neues Zinssystem mit verschärften Bonitätseinstufungen (Stichwort „ Kreditausfallwahrscheinlichkeiten“) in Kraft. Es bleibt zu vermuten, dass sich hierdurch die Kreditzinsen durchschnittlich erhöhen werden.

     

    Von einer Erhöhung der Kreditzinsen ist ab 2010 auch generell auszugehen. Einerseits kann sich der Refinanzierungszins der Banken, der sich aktuell nahe der „0%-Zinslinie“ bewegt faktisch nur noch in eine Richtung verändern. Anderseits fordert die Basel II-Richtlinie einen zwingenden Zusammenhang zwischen der Höhe des Kreditzinses und dem Kreditausfallrisiko bzw. der Rating-Note. Da für die meisten mittelständischen Unternehmen im Rating 2010 allein aufgrund schlechterer Jahresabschlüsse ein ´downgrading´ zu erwarten ist, steigt die Wahrscheinlichkeit höherer Kreditzinsen in 2010.

     

    Selbst bzw. gerade wenn wir – was zu hoffen ist – die Talsohle erreicht oder bereits durchschritten haben und die Auftragseingänge wieder auf breiter Front steigen sollten, stellt sich für viele Unternehmer ein kurzfristiges Finanzierungsproblem. Denn der Betriebsmittelkreditbedarf in Aufschwung- oder Wachstumsphasen wird vielfach stark unterschätzt oder überhaupt nicht gesehen. Dabei ist die aktuelle Konstellation in diesem Aufschwung-Szenario als besonders kritisch zu beurteilen. Häufig wird die Notwendigkeit bestehen die zur Liquiditätssicherung abverkauften Läger wieder aufzufüllen (Stichwort: Lieferbereitschaft) und parallel steigende Umsätze vorzufinanzieren. Dies wird immer dann nicht funktionieren und zu Zahlungsschwierigkeiten führen, wenn Unternehmen in diese Phase ohne ausreichende Liquiditätspolster, z.B. in Form freier Betriebskreditlinien, gehen. Die Euphorie des Aufschwungs wird dann jäh vom Damoklesschwert einer drohenden Zahlungsunfähigkeit überlagert.

     

    So weit muss es jedoch nicht kommen, wenn umsichtige Unternehmer jetzt einige wichtige Empfehlungen beherzigen und die Ampel auch für 2010 auf „grün“ stellen:

     

    1. Ermitteln Sie jetzt systematisch Ihren kurz-, mittel- und langfristigen Kapitalbedarf.

     

    1. Bereiten Sie sich jetzt durch ein Eigen-Rating auf den Ratingprozess Ihrer Hausbank vor und nutzen Sie die Chancen zur Optimierung Ihres Ratings.

     

    1. Gestalten Sie gerade auch in der Krise die Kommunikation zu Ihren Banken / Sparkassen offen und transparent. Eine verbesserte Vertrauensbasis kommt Ihnen bei kritischen Kreditentscheidungen zu Gute.

     

    1. Sprechen Sie Ihre Banken / Sparkassen aktiv auf öffentliche Finanzierungsprogramme, z.B. das KfW Sonderprogramm 2009 an.

     

    1. Bereiten Sie Kreditanträge frühzeitig und professionell mit allen benötigten Unterlagen vor.

     

    1. Nehmen Sie zur Sicherstellung und Optimierung Ihrer Unternehmensfinanzierung die Unterstützung qualifizierter Berater in Anspruch und vermeiden Sie so kostspielige Fehler, die andere schon vor Ihnen gemacht haben.

     

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